Man kann besser stehlen, wenn man etwas gibt. Nach dieser einfachen Logik ist es dem Geld gelungen, sich fast die ganze Welt untertan zu machen. Das Geld – in seiner Natur ein Kredit – täuscht einen verführerischen Überfluss in der Gegen-wart vor, schafft aber einen wachsenden Mangel in der Zukunft. Dieser Mangel wird nicht nur unseren Nachkommen zu schaffen machen, damit kämpfen heute schon gut zwei Drittel der Weltbevölkerung, weit weg von der relativ sicheren und reichen Schweiz. Aber der Konflikt nähert sich uns unaufhaltsam in der Form von Flüchtlingen, als Dauerkrisen wie jene von Griechenland und anderen Staaten des europäischen Südens und als bedrohlicher Abbau demokratischer Rechte in den meisten westlichen Staaten. Das Regime des Geldes ist unerbittlich. Der Mensch lebt heute weitgehend nach den Regeln des Geldes, aber ohne sie zu kennen. Er opfert die beste Zeit seines Lebens dem Gelderwerb in der Hoffnung, das verpasste Glück im Alter nachzuholen. Doch die Hoffnung ist trügerisch, selbst wenn wir zu denen gehören, die noch gute Renten erhalten. Verpasste Zeit kehrt nie zurück.

Der Trick, mit dem uns das Geld verführt, ist vielleicht schnell erklärt, aber seine Wirkung so umfassend, dass sie nur nach eingehendem Studium zu verstehen ist. Dazu will dieses Booklet anregen, indem es die Regeln des Geldes einfach und plausibel erklärt und die wichtigsten Folgen erläutert. 30 Jahre als Autor und Referent zum Thema haben gezeigt: Die Schwierigkeit, das Geld zu verstehen, liegt nicht in der Komplexität der Materie – sie ist im Grunde ganz einfach. Das grösste Hindernis liegt im kollektiven Irrtum. Wenn alle denselben Fehler begehen, ist er erst zu erkennen, wenn die Konsequenzen unausweichlich sind. Auch wenn man oft erst durch Schaden klug wird – so weit dürfen wir es beim Geld nicht kommen lassen. Geld ist eine soziale Technologie, die uns alle verbindet, aber auch trennt. Wenn wir Geld ausgeben, können wir immer entscheiden, ob wir es einem Partner geben (Verbindung) oder dem billigsten Anbieter (Trennung). Ist diese Technologie fehlerhaft oder gar korrumpiert, zerreisst das soziale Netz und es herrscht anarchischer Überlebenskampf.
Mit ein bisschen Nachdenken und ein wenig Mut, die eigenen «Wahrheiten» in Frage zu stellen, eröffnet sich dagegen eine Welt der Fülle, die wir heute fast nicht für möglich halten. Wer sein Leben im Bunker verbringt, mag zunächst auch nicht glauben, dass draussen die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und das Leben spriesst. Dieses Booklet möchte die Panzertüre dieses Bunkers einen Spalt breit öffnen, das Potenzial eines gerechten Geldes aufzeigen und anregen, die Regeln des Geldes zu erforschen und die nötigen Reformen mitzutragen. Die Bro-schüre ist eine kurze Zusammenfassung meines Buches «Das nächste Geld», das zwar auf sehr positives Echo gestossen ist, aber mit einem Umfang von 250 Seiten für viele Menschen als Einstieg doch zu umfangreich scheint. Dabei ist das Verständnis der Zusammenhänge entscheidend.
Es besteht jedoch ein grosser Unterschied zwischen wissen und verstehen. Auch das breite Publikum weiss heute aus aus dem Mainstream oder Internet viel über Wirtschaft und Geld. Aber Information ist nicht Verständnis. Ein Beispiel: Die Meisten wissen heute, dass die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Aber wissen sie auch warum? Erst wenn wir den Mechanismus der Umverteilung verstanden haben (der später in diesem Booklet erklärt wird), sind wir auch in der Lage, ihn zu ändern.
Geldreform kann nur gelingen, wenn viele Menschen den Irrtum erkennen. Und handeln. Dazu möchte dieses Booklet anregen.

Christoph Pfluger, Solothurn, Oktober 2016.